Plattform Mobilität
                          Saar-Lor-Lux e.V.

Wird die Bahn­stre­cke Mer­zig-Los­heim wie­der re­ak­ti­viert? Die jüngs­te Aus­sa­ge des saar­län­di­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums in die­ser Sa­che macht zu­min­dest ein we­nig Hoff­nung. Denn dort hieß es, die Um­set­zung wer­de im Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan (VEP) für den öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) emp­foh­le­nen wer­den (die SZ be­rich­te­te).

Die po­si­ti­ve Be­wer­tung im VEP wer­te­te Los­heims Bür­ger­meis­ter Hel­mut Harth als „ein wei­te­res er­mu­ti­gen­des Si­gnal zur Re­ak­ti­vie­rung der Stre­cke“. In ei­nem Schrei­ben an das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, das auch un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, zeigt er sich je­doch über­rascht über die An­kün­di­gung aus dem Mi­nis­te­ri­um, da die Ge­mein­de bis­her nicht zu ei­ner Stel­lung­nah­me auf­ge­for­dert wur­de. Er for­dert ein deut­li­ches Zei­chen aus der Po­li­tik, denn „die Ge­mein­de Los­heim am See als Ei­sen­bahn-In­fra­struk­tur­un­ter­neh­men ver­sucht der­zeit, das noch be­fah­re­ne Teil­stück der Stre­cke in­stand zu hal­ten und die ge­sperr­te Stre­cke, vor al­lem im Be­reich der vie­len Bahn­über­gän­ge, tech­nisch zu si­chern“. Die­ser Auf­wand müs­se ge­recht­fer­tigt sein.

Um den Stand­punkt der Ge­mein­de zu be­kräf­ti­gen, leg­te er ei­ne Re­so­lu­ti­on vor, für die sich der Ge­mein­de­rat von Los­heim am See ein­stim­mig in sei­ner jüngs­ten Sit­zung aus­ge­spro­chen hat­te. Die­se nennt meh­re­re Grün­de, die für die Re­ak­ti­vie­rung spre­chen. Dem­nach tra­ge ei­ne Re­ak­ti­vie­rung zu ei­ner Ein­spa­rung von Schad­stoff­emis­sio­nen und ei­ner ge­rin­ge­ren CO2-Be­las­tung bei. Wei­ter­hin wer­de das Na­del­öhr Mer­zig ent­las­tet, die Un­fall­zah­len wür­den sich ver­rin­gern und die Mo­bi­li­tät kön­ne ver­bes­sert wer­den.

Wie die Ge­mein­de in ih­rer Re­so­lu­ti­on wei­ter aus­führt, sei bei ei­nem neu­tra­len, bun­des­weit durch­ge­führ­ten Kos­ten-Nut­zen-Ver­gleich ein Er­geb­nis er­reicht wor­den, das über den An­for­de­run­gen lie­ge. Die Ge­mein­de rech­net in dem Schrift­stück zu­dem vor, dass die Re­ak­ti­vie­rung durch den Bund zwi­schen 70 und 90 Pro­zent ge­för­dert wer­de und wei­te­re Bun­des­gel­der zu­sätz­li­che Spiel­räu­me brin­gen könn­ten. Als Vor­teil ge­gen­über an­de­ren Stre­cken nennt die Ge­mein­de die Tat­sa­che, dass sie selbst auch Eisenbahn-­Infrastrukturunternehmen sei. Ein er­for­der­li­ches In­ge­nieur-Gut­ach­ten sei be­reits er­stellt wor­den und lie­ge vor, und: „Wei­ter­hin von Vor­teil in die­sem Zu­sam­men­hang ist, dass es hier kei­ne not­wen­di­gen und lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen mit der DB AG über Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren oder gar Kos­ten­be­tei­li­gun­gen ge­ben wird“, heißt es in der Re­so­lu­ti­on. Mög­lichst schnell soll laut Re­so­lu­ti­on der Gü­ter­ver­kehr wie­der auf­ge­nom­men wer­den, auch hier könn­ten spe­zi­el­le För­de­run­gen be­rück­sich­tigt wer­den. Der Ge­mein­de­rat er­hof­fe sich hier­durch ei­ne Ent­las­tung der Orts­tei­le durch den weg­fal­len­den Lkw-Schwer­last­ver­kehr.

Letzt­end­lich sol­le auch dem Mu­se­ums­ei­sen­bahn­club Los­heim (ME­CL) ei­ne Ba­sis für wei­te­res En­ga­ge­ment er­mög­licht wer­den. Die Mu­se­ums­zü­ge, die der Ge­mein­de­rat als „ei­nen der wich­tigs­ten Points of In­te­rest (POI, Ort von In­ter­es­se, Anm. d. Red.) in Los­heim“ be­zeich­net, könn­ten „auch am Wo­chen­en­de den Hoch­wald­raum bes­ser an­bin­den und gleich­falls zu ei­ner At­trak­ti­vi­täts­stei­ge­rung bei­tra­gen“. Hier ap­pel­liert der Ge­mein­de­rat auch an Land­rä­tin Da­nie­la Schle­gel-Fried­rich und den Kreis­tag von Mer­zig-Wa­dern, Un­ter­stüt­zung in Form von Zu­schüs­sen zu zei­gen und „die­se tou­ris­ti­sche At­trak­ti­on und die da­mit ver­bun­de­nen Be­son­der­hei­ten durch den Kreis noch stär­ker zu zei­gen“. Schle­gel-Fried­rich hat­te be­reits si­gna­li­siert, dass sie für ei­ne Re­ak­ti­vie­rung der Stre­cke sei (die SZ be­rich­te­te).

Was die Be­deu­tung der Stre­cke für Los­heim an­geht, wa­ren sich die Frak­tio­nen im Ge­mein­de­rat sehr ei­nig. Aber, be­ton­te Chris­toph Nei­si­us (CDU): Die Kos­ten sei­en oh­ne Geld aus dem VEP für die Ge­mein­de nicht zu schul­tern. Es ge­he der drin­gen­de Ap­pell ans Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, die Bahn­stre­cke ent­spre­chend ein­zu­stu­fen. Und auch die „Land­rä­tin soll Wor­ten Ta­ten fol­gen las­sen“. Ste­fan Palm (CDU) er­gänz­te, dass es für sei­ne Frak­ti­on wich­tig sei, an der Stre­cke fest­zu­hal­ten.

Ste­fan Scheid (SPD) be­ton­te: „Wir wol­len den Er­halt der Ei­sen­bahn­stre­cke nicht nur für den Tou­ris­mus, son­dern in wei­te­rer Zu­kunft auch für Per­so­nen- und Gü­ter­ver­kehr bis Nie­der­los­heim.“ Joa­chim Sel­zer (GALL) er­gänz­te, dass die gro­ßen Frak­tio­nen in die­ser Sa­che ih­re Ka­nä­le zur Lan­des­re­gie­rung nut­zen soll­ten. Not­falls soll­ten bei der Um­set­zung Zwi­schen­schrit­te ge­macht wer­den, „sonst ha­ben wir zum Schluss gar nichts mehr“.

Pit­zi­us und Bor­ger for­dern In­for­ma­tio­nen zum Pla­nungs­stand
Von Bar­ba­ra Sche­rer

MER­ZIG | (bsch) Kri­tik an der Kom­mu­ni­ka­ti­on über den Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan (VEP) ÖPNV gibt es von Er­hard Pit­zi­us, dem Vor­sit­zen­den der Platt­form Mo­bi­li­tät Saar-Lor-Lux. „Seit Co­ro­na ist der Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan aus dem Ru­der ge­lau­fen“, fin­det er. Die Art, wie der­zeit über den Sach­stand kom­mu­ni­ziert wer­de, lö­se Spe­ku­la­tio­nen aus. „Über­all wer­den Bruch­stü­cke ge­nannt und be­kannt, al­les oh­ne Ab­spra­che mit dem Pro­jekt­bei­rat des VEP“, kri­ti­siert er – so ge­be es „hier mal ei­ne Aus­sa­ge von An­ke Rehlin­ger, dort mal ei­ne Aus­sa­ge von der SPD Saar“. Mal wür­den Stre­cken wie die Bis­t­tal­bahn oder die Bahn­stre­cke Mer­zig-Los­heim nicht er­wähnt, dann wer­de zu­rück­ge­ru­dert.

Pit­zi­us for­dert ei­ne wei­te­re Sit­zung des Pro­jekt­bei­ra­tes, zu dem nach sei­nen Wor­ten auch die Platt­form Mo­bi­li­tät ge­hört, und: „An­ke Rehlin­ger und ihr Mi­nis­te­ri­um müs­sen kla­re Aus­sa­gen tref­fen, aber nicht schon den Ent­wurf des VEP bruch­stück­haft in die Öf­fent­lich­keit tra­gen.“ Ein Pro­jekt­bei­rat soll­te nach sei­nen Wor­ten die ak­tu­el­len In­for­ma­tio­nen „aus ers­ter Hand er­hal­ten und nicht aus der Pres­se oder Par­tei­ver­laut­ba­run­gen“.

Auch Klaus Bor­ger, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Grü­nen im Mer­zi­ger Stadt­rat, be­zieht Stel­lung zu den jüngs­ten Aus­sa­gen. „Mit Be­dau­ern und Un­ver­ständ­nis hat die Grü­nen-Frak­ti­on zur Kennt­nis neh­men müs­sen, dass die Lan­des­re­gie­rung die Re­ak­ti­vie­rung der Bahn­li­nie Mer­zig-Los­heim nicht in ih­re Plä­ne auf­ge­nom­men hat“, schreibt er. Die Be­deu­tung des Pro­jekts für den länd­li­chen Raum sei da­mit nicht er­kannt wor­den. „Be­son­ders be­trof­fen macht es, dass es der zu­stän­di­gen Ver­kehrs­mi­nis­te­rin und stell­ver­tre­ten­den Mi­nis­ter­prä­si­den­tin als Kind des Land­krei­ses Mer­zig-Wa­dern of­fen­sicht­lich an Durch­set­zungs­kraft fehlt, die­ses für Be­rufs­pend­ler, Gü­ter­ver­kehr und Tou­ris­mus wich­ti­ge Pro­jekt in der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on zu prio­ri­sie­ren.“

Mit Blick auf das Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis be­fin­det Bor­ger, dass bei an­de­ren Pro­jek­ten ja Kos­ten ein­ge­spart wer­den könn­ten. Hier spricht er von di­rek­ten Kos­ten ge­nau­so wie von „Um­welt­kos­ten“ durch In­an­spruch­nah­me der Na­tur.

Schließ­lich ver­weist der Grü­nen-Po­li­ti­ker auf die lau­fen­den Bau­maß­nah­men in Mer­zig. Die­se sei­en nach sei­nen Wor­ten in der da­ma­li­gen Be­grün­dung nur not­wen­dig ge­we­sen, „da ei­ne Rea­li­sie­rung der Nord­um­fah­rung durch die Lan­des­re­gie­rung im Jahr 2014 aus­ge­schlos­sen wur­de. Dies be­deu­tet, dass nach der Fer­tig­stel­lung des in­ner­städ­ti­schen Ver­kehrs­kon­zepts kei­ne Stra­ßen­bau­pro­jek­te mehr er­for­der­lich sind“.

In­so­fern wä­re nach Bor­gers Wor­ten durch ei­ne Re­ak­ti­vie­rung der Bahn­stre­cke Mer­zig-Los­heim „end­lich ein­mal ein ers­ter wich­ti­ger Schritt für ei­ne At­trak­ti­vie­rung des ÖPNV und ei­ne An­bin­dung des Ver­kehrs­kno­ten­punkts Mer­zig mit dem Hoch­wald­raum ge­ge­ben“. Der Grü­nen-Po­li­ti­ker fin­det: „Wenn Frau Rehlin­ger ein Kind des Land­krei­ses ist und es mit dem ÖPNV wirk­lich ernst mei­nen wür­de, müss­ten nun kon­kre­te Ta­ten und kei­ne ver­schwur­bel­ten An­kün­di­gun­gen fol­gen.“

Gemeinderat Losheim will Bahnstrecke reaktivieren

27.03.2020 11:00

Ein Beschluss des Gemeinderates betrifft die Museumsbahn: Der Rat will nach den Worten eines Sprechers, dass die Strecke wieder intensiver genutzt wird womöglich sogar für Öffentlichen Personennahverkehr oder Güterzüge.

Deshalb soll nun ein Verkehrsgutachten erstellt werden. Die Kosten für eine mögliche Sanierung der Strecke werden auf zwölf bis 14 Millionen Euro geschätzt.

Im Verkehrsentwicklungsplan des Saarlandes ist eine Reaktivierung der Bahnstrecke Merzig - Losheim am See im SPNV vorgesehen.

Die Plattform Mobilität SaarLorLux sieht in der Elektrifizierung ein Problem für den Museumsbahnbetrieb. Eine Dampflok unter Fahrdraht wird problematisch, Akku Triebwagen und Hybridfahrzeuge können eine Alternative sein.